10. Castle Rock Festival 2009
3. und 4. Juli 2009 – Schloss Broich, Mülheim an der Ruhr
Am Freitag eröffneten die Metallspürhunde trotz Unwetterwarnung tapfer den Konzertreigen - bezeichnenderweise mit ihrem Song "Böse Wetter". Zwei Songs später stand die komplette Burg unter Wasser und der Strom auf der Bühne und bei den Ständen versagte komplett. Zwangspause. Die Gäste flüchteten sich erst unter die Bäume, und wurden später dann in eine hektisch geöffnete Kammer der Burg "evakuiert", wo man etwa eine Stunde ausharren musste, bevor sich der Wettergott erbarmte und die Metallspürhunde ihr Set fortsetzen konnten. Es erklangen altbekannte Hits wie "Was hat dich bloß so ruiniert", "Blut und Spiele", das Cover "Der Weg zu zweit" oder auch "Obszöne neue Welt".
Nach den Metallspürhunden begeisterten Van Canto die noch regennassen Besucher mit ihrem außergewöhnlichen A Capella-Metal, und gaben u.a. Coverversionen von Metallica, Manowar und Nightwish zum Besten.
Den feucht-fröhlichen Abschluss am Freitag zelebrierten Gothminister mit ihrer energiegeladenen Live-Show, und spätestens mit dem Hit "Happyness in Darkness" waren auch die letzten Regentropfen aus den Klamotten geschüttelt und es wurde im Takt gesprungen und mitgesungen, was die Lungen hergaben.
Der Hauptakt des Festivals begann am Samstag unter strahlend blauem Himmel mit dem Auftritt der Oldenburger Formation Do Not Dream, die gerade Ihren neuen Longplayer „Schattenwelten“ vorgelegt haben. Mit ihrer Besetzung, die nicht weniger als acht(!) Musiker umfasst, war für viel Bewegung auf der Bühne gesorgt und das Front-Zweigestirn aus Tina und Lars an den Mikrofonen schafften es mühelos, die bereits in ordentlicher Anzahl erschienenen Besucher in Ihren Bann zu ziehen. Do Not Dream stellten einen hervorragenden Opener dar, der das Publikum gut auf die Dinge, die da noch kommen sollten vorbereitete.
Mono Inc. sind ja nun weiß Gott keine Newcomer mehr, aber man könnte sie getrost als „upcomer“ bezeichnen. Die Band legt gerade einen planierraupenartigen Eroberungsfeldzug durch die Szene hin, und das zeigt sich auch hier beim Publikum. Es kam zu einer massiven Konzentration von Mono Inc. T-Shirtträgern vor der Bühne und die sympathische Band um Sänger Martin Engler überzeugte mit einer energiegeladenen Show. Das Publikum dankte es der Band und feierte ausgelassen. Insbesondere konnte das Quartett durch den Einsatz aller vier Stimmen punkten. Mono Inc. haben sicherlich auch auf dieser Veranstaltung neue Fans für sich gewinnen können.
Beloved Enemy waren der nächste Act des Tages. Die Formation, deren Debut Auftritt auf dem WGT gerade einmal zwei Jahre zurück liegt, lieferten soliden Gothrock, allerdings ohne große Individualität. Der Sänger Ski-King, der an eine dunkle Version des Kings erinnert ist schon eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, die schon mit ihrer schlichten Präsenz zum hinschauen animiert.
Die vielleicht altgedienteste Band auf diesem Festival waren Lacrimas Profundere, die auf eine mehr als 15 jährige Bandgeschichte zurückblicken können. Nach einer langen Serie von Line-Up Wechseln wurde vor zwei Jahren auch die Stimme getauscht und für viele ist es nach wie vor schwer, sich mit Roberto Vitacca am Mikrofon anzufreunden. Er scheint diesen Meinungen aber aktiv entgegenzutreten und überzeugt nicht nur stimmlich, auch seine polarisierende Kleidungswahl (blue Jeans und weißes Jackett) setzt ein Statement. Das Lacrimas Profundere eine gute Fanbase haben steht außer Frage und zeigte sich auch deutlich im Publikum in dem für viele der Auftritt der Band einer der Höhepunkte des Festivals war.
Eisbrecher wusste den Schlossinnenhof innerhalb weniger Minuten in einen kochenden Kessel zu verwandeln. Persönlich ist mir die Faszination dieser Band bisher verschlossen gewesen. Hier habe ich endlich einen Verständnisdurchbruch erlebt: Es handelt sich -oh Wunder- gar nicht um einen Rammstein-Klon sondern um eine brillant gemachte Parodie. Selten habe ich bei einem Livekonzert so gelacht. Frontmann Alex gestaltete die Pausen zwischen den einzelnen Stücken mit einer Mischung aus Stand-Up-Comedy und Slapstick. Das Publikum wurde zu einer begeistert tanzenden Masse und die Show verging wie im Fluge. Das Eisbrecher sicherlich auch das Zeug zum Headliner gehabt hätten steht außer Frage und etliche Besucher verließen das Festival auch nach diesem Auftritt.
Die niederländische Band Epica um die charismatische Frontfrau Simone Simons, die nach ihrer schweren Krankheit im letzten Jahr nun wieder ihre volle Power zu haben scheint, waren die nächsten auf der Bühne. Nun gab es reinrassigen Melodic Metal zu genießen und wer die Band kennt weiß, was er von einer ihrer soliden Shows zu erwarten hat. Die Zuschauer ließen sich von Simones Stimme verzaubern und honorierten den Gig mit heftigem Köpfeschütteln.
Nachdem die letzen Klänge von Epica verhallt waren, wurde die Bühne für den Headliner, Die Apokalyptischen Reiter, vorbereitet.
Die fünf Jungs, die bereits seit 1995 mit ihrem apokalyptischen Sound die Bühnen rocken, boten eine energiegeladene Show, die zwischen den Songs kaum Zeit zum Luftholen ließ. Hauptsächlich erklangen Lieder ihres letzten Longplayers "Licht", der es seinerzeit bis auf Platz 29 der Albumcharts brachte. Die Reitermania packte das vor der Bühne dicht gedrängte Publikum, und immer wieder holte sich die Band rockende Fans auf die Bühne, um dann zum Abschluss des Konzertes gar selbst in Schlauchbooten ein Bad in der Menge zu nehmen. Alles in allem ein klasse Auftritt und ein würdiger Abschluss für das 10. Castle Rock Festival. Nach Konzertende wurde der Abschied von Schloss Broich noch mit einem kleinen aber feinen Feuerwerk begleitet.
Fazit: Das Castle Rock ist ein ganz außergewöhnliches Festival und in dieser Form schlicht weg einzigartig. Es ist eigenständig und gesund gewachsen. Das Team um den Organisator Michael Bohnes leistet hier großes und man kann nur hoffen, das das Festival auch noch weitere zehn Jahre übersteht. Auch alle beteiligten Bands scheinen sich hier sehr wohl gefühlt zu haben und brachten dies auch bei ihren Performances herüber.
Also: Kalender gezückt und notiert: am 2. und 3. Juli 2010 geht es wieder los in Mühlheim an der Ruhr, wenn das Schloss rockt! Wir sind dabei!
Die Fotos zum Festival könnt ihr auf unserer MySpace Seite ansehen klickt dazu HIER!
Autor: HC Luvcraft