"Wir sind wieder da"- Tanzwut haben vor einigen Tagen ihr neues Album "Schattenreiter" auf den Markt gebracht (Rezension findet ihr unter unseren Rezis) und werden auch live wieder zu sehen sein. Dies nahmen wir uns mal zum Anlass mit dem Teufel ein Gespräch zu führen.
Schwarze Seiten: Hallo Teufel, erst einmal vielen Dank, dass Du dir Zeit für dieses Interview nimmst.
Teufel von Tanzwut: Ja, gerne.
Schwarze Seiten: Zunächst einmal Gratulation zu eurem gelungenen Album Schattenreiter. Welche Bedeutung hat der Titel der Platte?
Teufel: Welche Bedeutung der Titel für uns hat. Ja, Schattenreiter ist ja der Leittitel des Albums und in dem Text geht es ja darum, dass wir sozusagen als Band, als Spielleute, wir bezeichnen uns ja als Spielleute, dass wir Kollegen die von uns gegangen sind so ne Art Denkmal setzen wollen. Und das machen wir halt auch mit dieser CD und gehen da auf diese Sachen ein und auf diese Kollegen.
Schwarze Seiten: Wie kam es denn dazu nach dem Live – Doppelalbum dazu erneut eine Doppel - CD auf den Markt zu bringen?
Teufel: Das ist mehr oder weniger aus Versehen passiert. Wir haben festgestellt, jetzt war es auf einmal ein Doppelalbum, wir haben gespielt und gemacht und getan und immer wieder bei uns im Studio gesessen. Und haben dann festgestellt es ist ein fast ein Doppelalbum und dann könnten wir jetzt eigentlich auch noch zwei oder drei Stücke machen. Wir haben eh noch ein bisschen was da und ein paar Ideen und haben dann einfach weiter gemacht und dann war es halt ein Doppelalbum. Und wir wollten auch mit den Sachen jetzt nicht warten bis nächstes Jahr, oder ein dreiviertel Jahr später noch ein weiteres Album auf den Markt bringen. Wir haben gesagt: „Ach jetzt ist es schon drauf und das ist gut.“.
Schwarze Seiten: Die neue Platte ist wesentlich härter als eure Vorgänger und die mittelalterlichen Instrumente treten einwenig in den Hintergrund. Warum habt ihr diese Entwicklung gewählt?
Teufel: Im Prinzip haben wir die Sache einfach aus dem Bauch raus gemacht, wie wir es gerade empfunden haben. Und ein bisschen mehr Dampf wollten wir sowieso machen, eigentlich schon seit längerer Zeit und haben einfach drauf losgespielt. Also wir haben jetzt nicht großartig drüber nachgedacht, wir machen jetzt das knallharte Album und wir machen jetzt das Doppelalbum. So ein Plan war da gar nicht hinter. Das schöne ist bei uns, dass wir ein eigenes Studio haben wo wir dann einfach auch immer sein können. Ohne das wir jetzt darauf achten müssen, dass einer sagt: „Die Rechnung ist jetzt langsam zu hoch, jetzt müsst ihr langsam mal hin machen und das geht jetzt nicht mehr und das geht jetzt nicht mehr.“ Das haben wir alles zum Glück nicht.
Schwarze Seiten: Ein Titel wie Medicus spielt ja meiner Meinung nach recht eindeutig auf die Schönheitschirurgie an. Ist dir ein kritischer Umgang mit solchen Themen wichtig, oder war es einfach nur eine lustige Idee für einen Song.
Teufel: Ja man sieht das ja Tag täglich, was los ist mit Schönheitschirurgie. Das wird ja immer mehr Mode, aber der gewisse Witz muss ja auch mit dabei sein. Wenn der Teufel dem lieben Herrgott ins Handwerk fuscht ist das eigentlich das Thema und das auch noch gut findet, dass er das machen kann. Dann ist das eigentlich schon grundsätzlich alles gesagt, wo der Teufel heutzutage alles so steckt.
Schwarze Seiten: Mit der Toccata in D-Moll von J.S. Bach habt ihr erneut ein Stück aus der deutschen Klassik interpretiert. Nach welchen Kriterien wählt ihr diese Stücke aus?
Teufel: Also die Toccata brannte uns schon lange unter den Nägeln. Die war uns schon ne ganze Weile im Auge. Die wollten wir schon immer mal machen und wir finden das Stück ist ein wahnsinnig geiles Stück und wird jetzt auch live unser Intro werden. Wir haben einen guten Orgelspieler gefunden, in der Berlin, der das auch eingespielt hat für uns extra für die Platte. Wir hatten ne Kirche dazu und konnten das mal genauso umsetzten wie, wir das eigentlich auch machen wollten. Und wir haben das dann verknüpft mit einem mittelalterlichen Lied. Mit einem mittelalterlichen Sauflied, die brachiale Toccata die in einem mittelalterlichen Sauflied endet, so wird unser Programm anfangen.
Schwarze Seiten: Die Aufnahme von Toccata fand ja in einer Berliner Kirche statt. Welche Vorzüge hatte die Kirche und wie konntet ihr sie nutzen?
Teufel (lacht): Ja das gibt es eigentlich auch ne coole Story dazu. Wir haben das in einer Kirche aufgenommen wegen der Akustik und weil in einer Kirche meist eine echte Orgel vorhanden ist. So was steht ja nicht sonst wo rum, sondern die sind da richtig eingebaut. Und prinzipiell wollten wir da auch richtig mit Equipment aufnehmen und hatten alles mitgenommen. Studioequipment, wahnsinnige Mikros und wir wollten ne riesige Aufnahme machen. Und dann kam es wie so was immer ist. Alles abgestürzt, computermäßig alles runter gefahren und es ging nichts mehr. Aber da stand ein alter Kassettenrekorder in der Ecke und wir haben ein Mikro angeschlossen und das Ding ging zum Glück. Dann haben wir noch ne Kassette besorgt und waren dann froh, dass es aufgenommen war. Und fanden dann aber im Nachhinein und haben überlegt, ob wir die Session nicht wiederholen müssen, wenn es jetzt zu komisch klingt oder sonst was. Aber wir fanden es gerade gut von der Aufnahme der Toccata, dass es gerade eben alt klingt dadurch, durch diese Kassettenrekorderaufnahme. Und wir haben das gleich das Band vom Kassettenrekorder genommen. (lacht)
Schwarze Seiten: Das ist echt ne schöne Geschichte. Auf der zweiten CD findet sich ein Video von eurem Konzert in Moskau. Wie waren diese Reise und das Konzert für dich?
Teufel: Ja, wir waren ja jetzt das zweite Mal schon da. Vor zwei Monaten haben wir wider in Moskau gespielt. Aber das erste Mal war natürlich, auch irgendwie ein bisschen Aufregend. Wenn man ein erstes Mal in ein fremdes Land reist, man denkt als erstes hoffentlich geht alles gut und funktioniert die Technik usw. und so fort. Und wir haben echt gedacht wir landen in so einem Packschuppen, wo gar nichts geht. Wo dann 150 Leute kommen und, dann war das ne riesige Halle, wahnsinnig gutes Equipment, und die Halle war voll mit 1500 Leuten, soviel ich weiß, mit Empore man sieht ja auch wie dir da drin toben, auf dem Video. Und die konnten komplett alle Texte auswendig, dass hat mich am meisten geschockt. Als ich auf der Bühne stand und die konnten wirklich die deutschen Texte mitsingen. Das war echt für Russland ne verschärfte Variante.
Schwarze Seiten: Unterscheiden sich die russischen Fans von den deutschen und wenn ja wie?
Teufel: Also ich finde, dass die Russen durch geknallter sind, als die Deutschen. Die sind da auf die Bühne gekrochen und wurden immer wieder untergeworfen, haben jeden Titel in einem zweieinhalb Stunden Konzert mitgesungen. Wie die Irren waren die zeitweise und haben sich den Spaß auch nicht nehmen lassen, auch nicht von der Security, die das härte Bandagen an hat als bei uns. Ich weiß nicht, die Deutschen sind da eher etwas zurückhaltender. Bei uns gibt es natürlich auch durchgedrehte Partys, wenn wir Konzerte geben. Aber so ganz extrem wie Mexiko oder Russland ist es in Deutschland nicht, auch bei den durchgeknalltesten Konzerten.
Schwarze Seiten: Seid Herbst letzten Jahres ist Ador mit in der Band. Welchen Einfluss hatte er auf den Stil des neuen Albums?
Teufel: Na ja, ich würde sagen er findet sich jetzt langsam in das neue Gefüge rein. Für ihn war das ja auch jetzt Neuland bei Tanzwut. Nun ja, jetzt ist er eigentlich erst bei den Proben so richtig doll dazu gestoßen, wo man sagen kann jetzt wird er so richtig tanzwütig. Jetzt spielt er die Sachen runter und macht Action und macht sich Gedanken, wie wir das alles auf der Bühne umsetzten. Er ist halt noch Corvus Corax gewöhnt, doch das hier ist ein anderes Pflaster, für ihn jetzt.
Schwarze Seiten: Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Artwork auf dem Album?
Teufel: Also die Idee zum Artwork kommt von uns. Wir wollten so eine Schatten-Unterwasser-Welt haben, deswegen auch diese Krake, der ist ja eigentlich auch ein Octopus. Der Grafiker ist der Friedrich von Zeraphine. Das Foto wurde von unserem Castus gemacht, im Keller bei uns im Studio. Und hinterher wurde der Octopus auch verspeist.
(lacht) Nachdem der Castus ihn fotografiert hat. Ich habe ihn da liegen sehen und gesagt: „Er macht da Nacktfotos von einem nackten Octopus.“ Er hat sich da auf dem Fußboden rum gewälzt und da Nahaufnahmen von gemacht. Und hinterher ist er damit rum gezogen und haben einen „Octopusabend“ gemacht und ihn aufgegessen. (lacht)
Wir sind wohl die erste Band die das Model vom Plattencover verspeist hat. (lacht)
Schwarze Seiten: (lacht) Das ist echt schön. Ja, also ihr geht im Mai auf Tour. Was können Fans erwarten?
Teufel: Erstmal von uns gute Laune und Action auf der Bühne. Wir werden wieder viel mit Licht machen, wir haben ein paar Sachen vor, mit so ein paar Fangarmen, die haben wir auf der Bühne. Die können wir beleuchten und werden die auf der Bühne aufhängen, so ein paar Octopusarme, um das Plattencover noch so ein bisschen auf die Bühne mit zu übertragen. Wir werden neue Kostüme haben. Und dann massenhaft neue Stücke, da ist es für uns ziemlich schwer sich zu entscheiden. Weil alles konnten wir jetzt nicht spielen von unserer neuen CD, wir müssen ja auch noch ein paar alte machen. Und wir haben dann festgestellt, dass es ja ein über vier Stundenprogramm haben, was wir da geprobt haben. Und das ist dann über drei Wochen Tour doch ein bisschen zu heftig. Dann haben wir das jetzt doch auf so knapp zwei Stunden reduziert, so wir immer so spielen in der Länge. Ja und es wird eine schöne Mischung aus alten und neuen Stücken, von der neuen Scheibe. Ja das ist jetzt erstmal so grundsätzlich klar, was wir machen werden.
Schwarze Seiten: Werdet ihr bei euren Konzerten auf elektronische Klangverstärker zurückgreifen oder werden ihr alle Sounds selber spielen?
Teufel: Wir haben ja unseren Elektrodrum Spieler, Hatz ist das. Der spielt halt die Keyboards, aber der hat auch so ein Elektrodrumset, womit er so Samples bedienen kann, so Elektropads. Und fast alle Sachen macht der pur und nur ein paar werden zugespielt.
Schwarze Seiten: Ich habe jetzt mal eine Frage in eine ganz andere Richtung. Es gibt immer wieder Menschen, die eure Musik von Corvus Corax kennen und dann sich verwundert die Augen reiben, was ihr bei Tanzwut macht. Schnell fällt dann das Wort Kommerz in einem negativen Sinne. Was kannst du diesen Stimmen entgegnen?
Teufel: Zu Kommerz?
Schwarze Seiten: Ja, zu Leuten die sagen Tanzwut sei, die Kommerzgeschichte von Corvus Corax.
Teufel: (lacht) So was sagen die! Würde ich kommerzielle Musik machen, würde ich etwas anderes machen. Wenn ich jetzt wirklich Kommerz machen wollen würden, dann mache ich VIVA und MTV an und mache das was da die ganze Zeit in der Schleife läuft. Das ist für mich kommerzielle Musik. Aber eine Tanzwut CD wird nicht bei VIVA gespielt werden. Die läuft da einfach nicht und grundsätzlich ist Corvus Corax und Tanzwut gleich kommerziell. So kann man das bezeichnen. Sobald man ja anfängt ne Platte zu verkaufen ist es ja schon kommerziell, es sei denn man macht Musik nur für zu Hause und geht bei der Post arbeiten und macht das nicht wegen Geld, also verdient gar kein Geld damit. Also ein Spielmann der kein Geld verdient verhungert irgendwann. Dann kann man auch vergessen die Schale aufzustellen, bei Straßenmusik machen. Wer das nur aus Spaß an der Freude macht, ich meine klar, wenn man beides miteinander verbinden kann. Aber wir leben halt davon. Also das Tanzwut das kommerzielle Projekt ist und Corvus Corax nicht, also Corvus Corax ist das alternativ Projekt. Den Gedankengang finde ich eigentlich ausgesprochen witzig. (lacht)
Schwarze Seiten: Ihr baut ja eure Instrumente selber gibt es besondere Ansprüche an eure Dudelsäcke im Vergleich zu denen bei Corvus Corax, oder sind es dieselben?
Teufel: Ne grundsätzlich sind das die gleichen. Vom Aufbau des Instruments her ist das dasselbe, wie bei Corvus Corax. Die Tonart ist auch dieselbe, da gibt es keine großartigen Unterschiede. Das ist unser Dudelsackklang und den wollen wir auch genauso beibehalten.
Schwarze Seiten: Wie empfindest du persönlich den Unterschied mit Tanzwut spielen, im Vergleich zu den Auftritten mit Corvus Corax oder der Cantus Buranus?
Teufel: Also bei Tanzwut spiele ich ja ne andere Rolle als bei Corvus Corax. Bei Corvus Corax bin ich Dudelsackspieler und bei Tanzwut bin ich der Teufel auf der Bühne, der Frechheiten von sich gibt, der Sänger, der Frontmann der über die Bühne spacet. Für mich grundsätzlich Tanzwut etwas anstrengender, aber ich kann auch bei Tanzwut ziemlich viel Dampf ablassen. Was jetzt bei ner Cantus Buranus Mucke, wo man sagt: „OK. Das ist jetzt das getragene, da läuft alles etwas ruhiger. Da geht es mehr um Klänge und um das Orchester.“ Da hat man die Möglichkeit mit Tanzwut richtig Dampf raus zulassen und so richtig Energie zu verblasen. Was mir auch ganz gut tut.
Schwarze Seiten: Werdet Ihr Sommer auch auf einigen Festivals spielen?
Teufel: Ja, das ist einiges geplant, wo wir spielen. Aber ich bin Musiker und habe so was leider nicht im Kopf. Aber die kann man natürlich bei uns auf der Internetseite ( www.tanzwut.com) nachlesen.
Schwarze Seiten: Hast Du noch ein paar abschließende Worte für unsere Leser?
Teufel: Ja, dass ich mich freue, wenn viele Leute kommen. Zu unseren Konzerten, schön Party machen und mit uns feiern und wir ne gute Zeit haben und unterwegs sind und alle froh und glücklich sind. Nach der Devise: „Lasst uns durchdrehen.“
Das Interview führte Carsten Terres per Telefon.

